Libretto vom Komponisten und Beate Haeckl nach Heinrich von Kleist
Deutsche Erstaufführung
Kleists Trauerspiel irritierte seine Zeitgenossen: Erotik und Aggression erscheinen austauschbar, Frauen kämpfen wie Männer, Jäger werden zur Beute und Penthesilea zum Tier. So stellten sich Kleists Zeitgenossen weder die Antike noch das Theater vor. Da half es auch nicht, dass die grausamsten Szenen nicht auf der Bühne gezeigt, sondern nur berichtet werden: Penthesilea wurde zu Lebzeiten des Autors nie aufgeführt. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand das eigenwillige Werk Interesse und Verständnis.
Der französische Komponist Pascal Dusapin machte 2015 aus Kleists Trauerspiel eine Oper über Gewalt und Krieg, Trauma und Besessenheit — und die utopische Möglichkeit, all das in liebevoller Begegnung zu überwinden. In eindringlichen, aufs Wesentliche konzentrierten Szenen folgt die Musik den tiefsten Ängsten, Sehnsüchten und Aggressionen der beiden Hauptfiguren, dringt ins Innere der Körper vor und lässt uns gleichzeitig den äußeren Kampf verfolgen.
In dieser Spielzeit beginnt die Staatsoper Hannover eine dreijährige intensive Auseinandersetzung mit dem Werk von Pascal Dusapin.
Termine und Tickets
Penthesilea Mittwoch, 08. April 2026, 19:30 – 21:15 Uhr, Opernhaus
Penthesilea Donnerstag, 16. April 2026, 19:30 – 21:15 Uhr, Opernhaus
Penthesilea Sonntag, 19. April 2026, 18:30 – 20:15 Uhr, Opernhaus
Penthesilea Freitag, 24. April 2026, 19:30 – 21:15 Uhr, Opernhaus
Die Amazonen waren siegreich auf dem Schlachtfeld, doch Penthesilea kann nicht triumphieren. Erst will sie Achilles besiegen. Penthesileas Vertraute Prothoe versucht, ihr ins Gewissen zu reden: Die Königin dürfe wegen eines persönlichen Konflikts nicht den Erfolg des Amazonenkriegs gefährden. Ihre Leidenschaft mache sie zudem blind für die Gefahr, die von Achilles ausgeht. Penthesilea zieht dennoch ein weiteres Mal gegen ihn in die Schlacht.
Im Kampf gelingt es Achilles, seine Gegnerin zu Boden zu werfen, doch er tötet Penthesilea nicht. Prothoe entreißt ihm die Königin und bringt die schwerverletzte Penthesilea in Sicherheit. Achilles folgt ihnen unbewaffnet.
Penthesilea verflucht das Gesetz, das einer Amazonenkönigin vorschreibt, sich die Liebe eines Mannes auf dem Schlachtfeld erkämpfen zu müssen. Prothoe will Penthesilea zur Flucht vor dem herannahenden Achilles und seinem Gefolge bewegen, aber Penthesilea fühlt sich dazu nicht fähig. Sie halluziniert und wird ohnmächtig. Prothoe befiehlt den übrigen Amazonen, die Königin zu beschützen, Achilles aber unter keinen Umständen tödlich zu verletzen.
Achilles verspottet die Amazonen, denen angesichts der Übermacht der Griechen nichts als die Flucht bleibt. Er schickt Odysseus und sein Heer weg und bleibt mit Penthesilea und Prothoe allein. Prothoe gegenüber behauptet er, Penthesilea zu seiner Königin machen zu wollen. Penthesilea erwacht aus ihrer Ohnmacht. Irrtümlich nimmt sie an, sie habe nur geträumt, dass Achilles sie im Kampf besiegt hat. Als sie Achilles erblickt, gibt dieser vor, ihr Gefangener zu sein. Voller Glück vertraut sie ihm an, dass es seit ihrer ersten Begegnung ihr sehnlichster Wunsch war, ihn zu unterwerfen. Es entsteht ein kurzer Moment der Nähe zwischen den beiden.
Unterbrochen von lauter werdendem Waffenlärm enthüllt Achilles Penthesilea die Wahrheit: Nicht sie habe ihn gefangengenommen, vielmehr sei sie seine Gefangene. Penthesilea ist außer sich. Odysseus kehrt zurück und warnt Achilles: Die Amazonen stürmen heran, um ihre Königin zu befreien. Penthesilea fordert von Achilles, dass er ihr folge. Achilles verweigert dies und ergreift mit Odysseus die Flucht.
Die Amazonen jubeln, dass sie Penthesilea retten konnten, sie aber will nach ihrer Niederlage nicht mehr leben. Eine Nachricht erreicht Penthesilea: Achilles fordert sie ein weiteres Mal zum Kampf auf. Dass er erneut gegen sie kämpfen will, obwohl sie ihm vorher ihre Liebe gestanden hatte, empfindet sie als große Demütigung. Sie nimmt die Herausforderung an und ruft ihre Kampfhunde herbei. Prothoe versucht vergeblich, sie zu beruhigen.
Achilles gesteht Odysseus, er habe Penthesilea nur herausgefordert, weil es ihre Bedingung für eine Liebesnacht sei, dass sie ihn im Kampf besiegt. Zum Schein wolle er ihr unterliegen, damit sie ihn zum Gefangenen nehmen kann. Achilles trifft am Ort des Zweikampfs ein. Penthesilea erschießt ihn aus der Ferne. Dann zerfleischt sie seine Leiche in einem rauschhaften Moment gemeinsam mit ihren Hunden.
Die Priesterin der Amazonen empfindet nichts als Abscheu gegen Penthesilea. Prothoe hingegen hat Mitleid mit ihr. Penthesilea scheint nicht zu begreifen, was vorgefallen ist. Sie habe Achilles, den Geliebten, nicht töten wollen. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, mit ihrer Schuld weiterzuleben.
- Musikalische Leitung Stephan Zilias
- Inszenierung Lorenzo Fioroni
- Bühne Paul Zoller
- Kostüme Sabine Blickenstorfer
- Licht Andreas Schmidt
- Videodesign Isabel Robson
- Sounddesign Marko Junghanß
- Chor Lorenzo Da Rio
- Dramaturgie Daniel Menne
- Text/Libretto Beate Haeckl
- Komposition Pascal Dusapin
- Xchange Matthias Brandt
- Penthesilea Katrin Wundsam
- Prothoe Olga Jelínková
- Achilles Peter Schöne
- Odysseus Yannick Spanier
- Priesterin Anthea Barać
- Bote Juhyeon Kim
- Botin Diana Piticas / Sandra Firrincieli / Başak Ceber
- Amazone Daniela Butina / Başak Ceber / Sandra Firrincieli / Lenka Macharashvili
- Live Kamera Enes Akargül
- Chor der Staatsoper Hannover
- Statisterie der Staatsoper Hannover
- Niedersächsisches Staatsorchester Hannover
Mediathek
Rund eine Woche vor den Opernpremieren öffnen wir eine Probe auf der Opernbühne für Publikum: Beteiligte der Produktion informieren Sie über die Inszenierung, den Arbeitsstand und die besonderen Herausforderungen der Produktion, bevor die Probenarbeit direkt verfolgt werden kann.
Hör'n Sie mal!
Regelmäßig widmen wir uns unseren Neuproduktionen in einem eigenen, etwa 1 1/2-stündigen Programm mit Fokus auf der Musik: Die Dirigenten der Neuproduktionen erläutern im Gespräch mit den Dramaturg:innen der Staatsoper anschaulich Besonderheiten der Partitur und Möglichkeiten, die sich daraus für die szenisch-musikalische Interpretation ergeben. Ein Angebot für alle, die mehr wissen wollen. Zu den Terminen
Symposium: Penthesilea im Fokus
Das Symposium beleuchtet die mythologischen, philosophischen und musikalischen Hintergründe des Werks in Vorträgen und Gesprächen. Zu Gast sind u.a. die Germanistin Christine Künzel (Universität Hamburg) und der Althistoriker Gunnar Seelentag (Leibniz Universität Hannover). Mehr dazu
In der Inszenierung agieren in drei Szenen zwei Schäferhunde auf der Bühne. Die Hunde sind entsprechend trainiert und werden von ihren Trainerinnen begleitet. Der Einsatz der Hunde in den Proben und Vorstellungen findet in enger Abstimmung mit dem Veterinäramt statt.
Das Stück thematisiert Krieg und Gewalt.
In seiner erstaunlichen Komposition schildert Dusapin diese Handlung weniger, als dass er ihre unheimliche, aus mythischen Tiefen gespeiste Stimmung zu Klang destilliert. (…) Regisseur Lorenzo Fioroni verstärkt das rätselhaft Raunende des Stücks mit einer hochästhetischen Inszenierung. Statt des Schlachtfeldes, nach dem die Handlung eigentlich verlangt, hat Bühnenbildner Paul Zoller eine Wunderkammer entworfen. (…) Die Sängerinnen und Sänger des Opernchors schließen nahtlos an die starken Leistungen der Solisten an. Am Ende gibt es ausdauernden Beifall für die Ausführenden und den anwesenden Komponisten.
Durchgängig und auf beeindruckende Weise führt sie uns die Brutalität des Krieges vor Ohren. Paul Zoller hat dazu ein gewaltiges, existenziell anmutendes Bühnenbild erschaffen. Immer wieder tut sich der Boden auf und schluckt vom Krieg geschundene Kämpfer. (…) Mit Bravour meistert das gesamte Ensemble die Partitur und zieht einen in den Bann der verheerenden, kriegerischen Auseinandersetzungen. Das Publikum dankt es mit langem, begeistertem Applaus.
Aus dem Graben donnert eindrucksvoll unter Stephan Zilias‘ Leitung Dusapins Kriegsvertonung, surren die Pfeile und kreischt gänsehautbringend laute Verzweiflung.